Imbolc - Das Feuer an der Schwelle
- deva82alex
- 16. Jan.
- 2 Min. Lesezeit

Der Winter hält die Erde noch fest.
Frost liegt auf den Feldern, und die Nächte
sind lang.
Doch tief unter der gefrorenen Haut beginnt
etwas zu lauschen.
Imbolc ist keine laute Zeit.
Es ist ein Fest für jene, die bereit sind, still zu
werden.
Dieses Schwellenfest liegt zwischen Dunkel
und Licht, zwischen Rückzug und Erwachen.
Nichts ist entschieden - und doch ist alles
in Bewegung. Die Alten wussten: Jetzt
beginnt die Zeit, in der das Unsichtbare seine Richtung wählt.
Imbolc trägt das Zeichen des Feuers.
Nicht das wilde Feuer des Sommers, nicht das
verzehrende Feuer der Transformation - sondern
das geschützte Herdfeuer. Die Glut, die bewahrt wird,
wenn Draußen alles erstarrt.
Dieses Feuer ist nicht dazu da, gesehen zu
werden.
Es ist dazu da, zu bleiben.
Schamanisch betrachtet ist Imbolc die Zeit, in der wir
Hüterinnen und Hüter unseres inneren Feuers werden.
Nicht, um es größer zu machen.
Nicht, um es zu erklären. Sondern um es nicht aus den
Augen zu verlieren.
Die Erde beginnt zu träumen.
Samen ruhen noch im Dunkel, doch sie haben den
Ruf des Lichts gehört.
Auch in uns liegt etwas, das längst weiß, wohin es wachsen
will - selbst wenn der Weg noch nicht sichtbar ist.
Imbolc fragt nicht nach großen Visionen.
Es fragt nach Wahrhaftigkeit.
Was in dir will bewahrt werden?
Was darf weiterglühen, auch wenn Zweifel und Kälte
an dir zerren?
In alten schamanischen Pfaden war diese Zeit der
Hüterin des Feuers gewidmet. Sie war keine sanfte Gestalt.
Sie prüfte, wessen Hände ruhig genug waren,
um die Glut zu tragen. Sie fragte nicht nach Absichten,
sondern nach Bereitschaft.
Imbolc lädt uns ein, diese Haltung wieder
einzunehmen.
Weniger Tun.
Mehr Lauschen.
Weniger Planen.
Mehr Vertrauen.
Ein einfaches Imbolc-Ritual braucht keine Werkzeuge.
Zünde eine Kerze an - bewusst, still.
Setz dich zu ihr, ohne Bitte, ohne Wunsch.
Spüre, was in dir wärmer wird.
Vielleicht ist es nur ein Hauch.
Vielleicht ein kaum wahrnehmbares Ja.
Das genügt.
Denn Imbolc ist nicht der Beginn des
Frühlings.
Es ist der Moment davor.
Der Atemzug, bevor das Leben wieder sichtbar wird.
Hüte dein Feuer. Die Erde tut es auch.



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